Munich Marvels Softball Club e.V.

The Werl-Experiment
Werl, 11. Juli 2014 — (Excerpt from the Diary of Dr. Doom)

Ein weiterer Meilenstein in der Evolution der Marvels-Superhelden. Vergangenes Wochenende war es soweit. Nach mehrwöchiger Vorbereitungszeit stand der erste Praxistest bevor. Würde sich Silversurfers brandneues Stahlimplantat in seiner linken Hand bewähren? Und wie lassen sich neue Superkräfte testen, ohne künftigen Gegnern zuviele Details zu offenbaren? Schwächen vortäuschen? Aber wie? Superhelden verlieren doch nie...

Ein Softball-Turnier mit den 12 besten Teams des Landes schien der geeignete Rahmen für umfangreiche Testreihen. Ein vorausschauender Schachzug, bot sich doch angesichts der namhaften Gegner die Gelegenheit, unauffällig einige Niederlagen einzustreuen ohne allzu viel Aufsehen zu erregen. Deckname der Operation: „Champions League“. Zugegeben, Understatement war noch nie eine Tugend der Marvels.

Am Freitag in den Abendstunden hielten die angereisten 11 Superhelden Einzug in Werl, einem friedvollen Dorf im ländlichen Westfalen abseits der Augen der Welt, begleitet von dunkelsten Wolkenfronten und Regenschauern, die Ihnen zwei volle Tage und Nächte zur Seite stehen sollten. Den Marvels stand die schwere Aufgabe bevor, normalsterblichen Gegnern vermeintliche Schwächen vorzugaukeln. Eine Herausforderung, die sie mit Bravour meisterten. Gleich zu Beginn wurde den Jolly Dodgers aus Berlin ein erstes Erfolgserlebnis gegönnt. Mit 7:3 beugten sich die Marvels nach vorgetäuschtem Kampf den Gaunern aus der zwielichtigen Hauptstadt. Vollkommene Unterlegenheit, so der Schein. Doch Täuschung erfordert Glaubwürdigkeit. Dieser wurden schweren Herzens die unermüdlich kämpfenden Cologne Cardinals geopfert. Beim 10:3-Triumph spielten die Marvels vor allem in der Defensive ihre Kräfte aus, beschränkten sich jedoch in der Offensive auf das Notwendige. Deutlich ausgeklügelter die Taktik bei der 9:3-Niederlage gegen Bielefeld Homebase: Das augenscheinlich offene Spiel wurde erst in der letzten halben Stunde aus der Hand gegeben, wenngleich die eingestreuten Fehler in der Defensive und die Schlagschwäche der Marvels rückblickend etwas plump und unbeholfen und folglich wenig glaubwürdig erschienen. Dieses Vorgehen wurde am nächsten Tag im Laufe der 11:6-Niederlage gegen die Koblenz Raptors perfektioniert. Augenblicke des spielerischen Könnens und Phasen des Unvermögens wurden geschickt eingesetzt. Am Ende des Tages war den Marvels der 8. Platz nicht mehr zu nehmen. Ein Meisterstück, marvellous!

Wird Softball-Deutschland die Marvels also in nächster Zeit unterschätzen? Weitere Praxistests sind an den kommenden Wochenenden in heimatlichen Gefilden geplant. Und dann ist keine Zurückhaltung mehr vorgesehen...